Öffentlicher Verkehr

Einführung

Dieses Kapitel beschreibt im speziellen, wie mit VS-PLUS der öffentliche Verkehr bevorzugt werden kann.

Zur Steuerung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sind besondere Funktionen erforderlich. VS-PLUS deckt diese mit verschiedenen Modulen ab, welche speziell zu parametrisieren sind. Diese Funktionen oder Module heissen:

  • Spezielle Detektorfunktionen für die Anforderung des ÖPNV
    • VWxx (Behandlung von Voranmeldungen)
    • VBxx (Behandlung von Voranmeldungen)
    • Anxx (Behandlung der Hauptanforderung)
    • NTxx (Behandlung Notanforderung)
    • Abxx (Behandlung Abmeldung)
  • ÖV – Speicher zur Behandlung von ÖPNV An- und Abmeldungen
  • Test der Beeinflussungsart eines ÖPNV
  • ÖPNV Priorisierungsmodul zur Behandlung der Priorisierung von ÖV-Anforderungen

VS-PLUS nimmt die Anforderung eines ÖPNV an jedem Meldepunkt entweder über die herkömmlichen Detektoreingänge (Anforderungsart parallel) oder im speziellen bei Siemensgeräten mit den Funktelegrammen des Typ R09 ... (VÖV Vorschriften) über den so genannten ÖV-Speicher (Anforderungsart seriell und parallel) entgegen.

Mit der Anforderung an einem Meldepunkt wird ein Zeitzähler gestartet, die so genannte Detektorwartezeit (twdet). Die Detektorwartezeit enthält die Zeitdauer seit der Anforderung an einem bestimmten Meldepunkt. Gleichzeitig mit der Anforderung am ersten Meldepunkt wird zusätzlich ein Zeitzähler für den betreffenden Verkehrsstrom gestartet, die so genannte Verkehrsstromwartezeit (twvs). Die Verkehrsstromwartezeit enthält die Zeitdauer seit Anforderung, gegebenenfalls korrigiert durch den Eichwert des Verkehrsstroms. Damit gilt ein ÖPNV als angefordert.

 

Sind gleichzeitig mehrere Züge innerhalb der erfassten Strecke, so verwaltet VS-PLUS die Zeitzähler von bis zu fünf Zügen.

Im Besonderen beim ÖPNV müssen Funktionen bereitgestellt werden, welche bei einem nicht plangemässen Verlauf der ÖPNV Anforderung trotzdem einen vernünftigen Ablauf der Steuerung sicherstellen. Ein nicht plangemässer Verlauf erfolgt zum einen bei Störungen im Erfassungssystem oder zum anderen bei Störungen auf der Zufahrtsstrecke (z.B. Stau). Für diese Fälle stellt VS-PLUS die beiden Funktionen Zwangsanforderung und Zwangslöschung zur Verfügung.

Als Zusatz zur Anforderung eines Verkehrsstroms werden von VS-PLUS intern Verkehrsstrom-Attribute bestimmt. Für jeden ÖV-Verkehrsstrom wird in Abhängigkeit von der verbleibenden Fahrzeit entschieden, in welcher Art dieser die Steuerung beeinflussen kann. Es stellen sich die Fragen:

  • Trifft ein ÖPNV in einem Anforderungsbereich ein? (Test "erwartete Ankunft")
  • Genügt die verbleibende Fahrzeit um einen Phasenwechsel einzuleiten? (Testfeindliche Phase vorziehen)
  • Müssen feindliche Verkehrsströme blockiert werden? (Test "Blockierung")
  • Muss die Hauptanforderung eingeleitet werden? (Test "Hauptanforderung")
  • Muss der Phasenwechsel eingeleitet werden? (Test "Phasenwechsel")

Ein so genanntes ÖPNV Priorisierungsmodul entscheidet als nächstes, was mit den angeforderten ÖPNV zu geschehen hat. Es stellen sich die folgenden Fragen:

  • Ist das angeforderte ÖPNV zu priorisieren? (Test "Priorisierung") 
  • Welche ÖV-Verkehrsströme sind bei gleichzeitiger feindlicher Anforderung zu berücksichtigen? (Test "feindliche Anforderungen") 
  • Ist ein ÖV-Verkehrsstrom bei gleichzeitiger freundlicher Anforderung sofort zu priorisieren? (Test "freundliche Anforderungen")
  • Wie ist ein Folgezug zu behandeln? (Test "Folgezug")


Das Ergebnis dieser Module ist eine Kennung, die festlegt, ob ein ÖV-Verkehrsstrom angefordert ist und zusätzlich feststellt, ob dieses zu priorisieren ist.

Wichtig ist, dass nach der Bearbeitung durch diese Module nur noch diejenigen ÖV-Verkehrsströme priorisiert werden, die konfliktfrei (Verkehrsströme, die nicht feindlich zueinander) sind .

Die weitere Behandlung des ÖPNV entspricht der standardmässigen Bearbeitung der Verkehrsströme. Aus der Anforderung wird in der Verkehrsstrombearbeitung in Übereinstimmung mit den Rahmensignalen eine Anmeldung erzeugt. 

Anschliessend wird der ÖV-Verkehrsstrom in der Bildzusammenstellung, entsprechend seiner Klassenzuteilung und Stufe, berücksichtigt.

Um zwischen priorisierten und nicht priorisierten ÖV-Verkehrsströmen zu unterscheiden, können ÖV-Verkehrsströme gleichzeitig in der Hauptreihe von mehreren Prioritätsklassen eingetragen werden. Ein ÖV-Verkehrsstrom wird in Abhängigkeit von der Fahrplanlage einer bestimmten Prioritätsklasse zugeteilt und an der entsprechenden Stelle in der Bildzusammenstellung behandelt.

Steht das Signal eines ÖPNV Verkehrsstroms zum Zeitpunkt der Anforderung bereits auf Grün, so ist das Halten von Grün abhängig von den folgenden Kriterien:

  • Die Hauptanforderung muss aktiv sein.
  • Die erwartete Ankunftssekunde muss innerhalb des Rahmensignals liegen.

Achtung:

VS-PLUS prüft, ob die erwartete Ankunftssekunde innerhalb des Rahmensignals liegt und das Rahmensignal-Ende frühestens nach tg,min1 Sekunden folgt. Damit wird berücksichtigt, dass auch etwas langsamere Fahrzeuge (langsamer als theoretische Fahrt) das Grün bis zur Abmeldung halten können und die erlaubten Grünzeiten nicht überschritten werden.

Die erlaubten Grünzeiten dürfen nicht überschritten werden.

Definition einer Anforderung

Anforderung heisst, VS-PLUS erkennt zunächst ein ÖPNV. Damit ist noch nicht entschieden, ob das erfasste ÖPNV auch in der Steuerung unmittelbar berücksichtigt wird.

Definition einer Anmeldung

Aufgrund einer Anforderung entsteht unter Berücksichtigung der Parameter Verzögerung, Rücksetzzeit, Mindestrotdauer etc., sowie in Übereinstimmung mit den Rahmensignalen eine Anmeldung. Mit der Anmeldung wird der Verkehrsstrom in der weiteren Bearbeitung berücksichtigt.

Zwangsanforderung

Zwangsanforderung ist nötig, wenn ein ÖPNV einmal erfasst wurde (z.B. durch Voranforderung), die ÖPNV Phase jedoch nicht angesteuert wird (z.B. fehlt die Hauptanforderung). VS-PLUS stellt drei Möglichkeiten der Zwangsanforderung zur Verfügung:

  1. meldepunktabhängige Zwangsanforderung,
  2. verkehrsstromabhängige Zwangsanforderung,
  3. keine Zwangsanforderung erwünscht; Verkehrsstrom erhält durch Notanmelder, einen zweiten Verkehrsstrom (Bus auf Kfz-Fahrstreifen) oder ein Basisfenster Grün.

Die Parametrisierung erfolgt mit dem Parameter Zwangsanforderungszeit.

Zwangslöschung

Die Zwangslöschung ist dann erforderlich, wenn keine korrekte Abmeldung erfolgt. Um ein "Hängen" der Steuerung in diesen Fällen zu verhindern stellt VS-PLUS für die Zwangslöschung drei Möglichkeiten zur Verfügung: Zwangslöschung mit Wiederholung von Grünfenstern Zwangslöschung ohne Wiederholung von Grünfenstern Zwangslöschung ohne Grün Die Parametrisierung erfolgt mit dem Parameter Selbstauszählzeit.

Bei einer Zwangslöschung mit Wiederholung von Grünfenstern bleibt die ÖPNV Anforderung eines Zuges oder Busses solange bestehen, bis die Verkehrsstromwartezeit twvs gleich der Selbstauszählzeit ist.

Bei einer Zwangslöschung ohne Wiederholung von Grünfenstern erfolgt die Zwangslöschung nach dem ersten Grünfenster, das während oder nach der erwarteten Ankunftssekunde erscheint.

Achtung:

Eine Zwangslöschung ohne Grün ist möglich, wenn der Parameter Zwangsanforderungszeit Meldepunkt Abmelder auf unendlich gesetzt ist. Dann nämlich erfolgt eine Zwangslöschung wenn alle Detektorwartezeiten den Wert des Parameters Haltezeit überschritten haben.

Kontrolle von Folgezügen

Jeder Detektor kann drei Timer starten. Jeder dieser Timer gehört zu einer anderen Schicht. Jedem Verkehrsstrom wird einer Reihe von Detektoren zugeordnet. Die Timer dieser Detektoren die zu einer bestimmten Schicht gehören, werden für einen ÖV-Zug gebraucht. So können in diesem System drei ÖV-Züge verwaltet werden. Jeder ÖV-Zug wird hier als ein  Zug bezeichnet. Ein Zug kann in irgend einer Schicht sein aber immer nur in einer. In der untersten Schicht wird er als 0. Zug bezeichnet in der obersten als 2. Zug. Jeder Zug hat eine Position, die durch den Verkehrsstrom und die Schicht definiert ist.

Die Anordnung wird grafisch wie folgt dargestellt.

Die untere Grafik beschreibt die Elemente der Grafik.

Ein Timer ist als Rechteck dargestellt. Eine Zahl im Rechteck ist der Wert des laufenden Timers. -- bedeutet, dass der Timer nicht läuft. Ein Detektor ist als schiefes Parallelogramm dargestellt, wobei die Zahl der Detektorindex ist. Die Fahrtrichtung ist von links nach rechts.

Im Rahmen der Schnittstelle zur freien Programmierung stellt VS-PLUS 6 Funktionen zur Verfügung um diese Züge zu manipulieren.

  • Anzahl Züge
  • Zug Löschen
  • Zug Kopieren
  • Zug Verschieben

Anzahl Züge

Gibt an wie viele Züge für einen Verkehrsstrom erfasst sind.

Funktioniert nur korrekt, wenn richtig eingezählt wurde. Eine Anordnung wie in der unteren Graphik ergibt die Anzahl 1, denn der 1. und 2.Zug werden für leer gehalten.

Zug Löschen

Entfernt einen Zug.

Die Züge oberhalb des zu entfernenden Zug werden um eine Schicht nach unten geschoben und aus der oberster Schicht gelöscht.

Zug Kopieren

Fügt ein Kopie eines Zugs an einer anderen Position ein.

Zuerst wird die Zielposition frei gemacht, indem alle Züge oberhalb der Zielposition, inklusive dem Zug an der Zielposition, um einer Position nach oben geschoben werden. Der oberste Zug wird in den Bithimmel geschoben. Wenn die Ursprungsschicht nicht existiert wird ein "Leer" Zug (kein laufender Timer) eingefügt. Der Grafik zeigt ein Beispiel.

Zug Verschieben

Verschiebt einen Zug von einer Position an eine andere Position.

Der Zug wird aus seiner Ursprungsposition gelöscht und an der neuen Position eingefügt. Es verhält sich sonst gleich wie „Zug Kopieren". Die Grafiken zeigen ein Beispiel.

oder

Beeinflussungsart

Als Zusatz zur Anforderung eines Verkehrsstroms werden die Attribute "Restfahrzeit" und "Verkehrsstromstatus" vergeben. Für alle ÖV-Verkehrsströme wird in Abhängigkeit von der verbleibenden Fahrzeit bis zum Eintreffen an der Haltelinie (Restfahrzeit) entschieden, in welcher Art ein Verkehrsstrom die Steuerung beeinflussen kann. Es stellen sich die Fragen:

  • Trifft ein ÖV-Verkehrsstrom in einem Anforderungsbereich ein?
    (Test "erwartete Ankunft")
  • Genügt die verbleibende Fahrzeit um einen Phasenwechsel einzuleiten?
    (Test "feindliche Phase vorziehen")
  • Müssen feindliche Verkehrsströme blockiert werden?
    (Test "Blockierung")
  • Muss die Hauptanforderung eingeleitet werden?
    (Test "Hauptanforderung")
  • Muss der Wechsel zur ÖV-Phase eingeleitet werden?
    (Test "Phasenwechsel")

VS-PLUS verfolgt den angeforderten ÖPNV und prüft in Abhängigkeit der vergangenen Fahrzeit und der theoretischen Fahrzeit sekündlich die genannten Fragen.

Wesentlich ist, dass zum einen nur derjenige Zug massgebend für die Vergabe der Attribute ist, welcher sich am nächsten zur Haltelinie befindet.

Zum anderen ist derjenige Meldepunkt massgebend, der das höchste Attribut "Verkehrsstromstatus" vergibt. Folgende Stufen werden in aufsteigender Priorität vergeben:

  • Verkehrsstrom in Zone "Phase vorziehen"
  • Verkehrsstrom in Zone "Blockieren"
  • Verkehrsstrom in Zone "Hauptanforderung"
  • Verkehrsstrom in Zone "Phasenwechsel"

Achtung:

Die Funktionalitäten "Phase vorziehen", "Phase blockieren" und "Hauptanforderung" wurden ab VS-PLUS Version 3.1 verändert.

Beeinflussungsarten

  • Haltezeit Meldepunkt
  • Selbstauszählzeit ÖPNV

Test "erwartete Ankunft"

VS-PLUS berechnet sekündlich die erwartete Ankunftssekunde. Das heisst die Umlaufsekunde Tx, in welcher ein ÖV am Knoten erwartet wird. Basis für die Behandlung sind die bekannten Grössen "Detektorwartezeit" und "Verkehrsstromwartezeit" sowie die  theoretische Fahrzeit (Sollwert).

Sind gleichzeitig mehrere Meldepunkte aktiv (Detektorwartezeit twdet mehrerer Meldepunkte ist kleiner als die Haltezeit), so gilt für alle Meldepunkte die erwartete Umlaufsekunde des nächstliegenden Meldepunktes.

Bei der Parametrisierung einer Voranzeigezeit wird die erwartete Ankunftssekunde beim Einschalten eines ÖV-Verkehrsstroms um den Wert der Voranzeigezeit vorgeschoben. Beim "Halten einer Phase" hat die Voranzeigezeit hingegen keinen Einfluss.

Alle Reaktionen des angeforderten ÖPNV werden auf die erwartete Ankunftssekunde ausgerichtet.

Steht das Rahmensignal für Anforderung in der erwarteten Ankunftssekunde nicht an, so wird die Fahrt bis an den Beginn des nächsten Rahmensignals für Anforderung "verschoben". Das heisst, die erwartete Ankunftssekunde wird auf den Beginn des nächsten Rahmensignals für Anforderung gesetzt. Die ÖPNV Funktionen werden dann auf die korrigierte erwartete Ankunftssekunde ausgerichtet.

Test "Phase vorziehen"

Vorziehen heisst, dass die laufende Phase vorzeitig zugunsten einer Querphase beendet wird. Diese Aktion kann nur durch ein ÖPNV im Bereich "Phase vorziehen" ausgelöst werden. Der Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Phase vorziehen" kann von Meldepunkten der Funktion VWxx sowie ab VS-PLUS Version 3.1 der Funktionen "VBxx" oder "ANxx" in Abhängigkeit des Parameters Vorbereitungszeit und des Rahmensignalplanes vergeben werden.

In Abhängigkeit des Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Phase vorziehen" werden alle angeforderten, feindlichen Verkehrsströme geprüft, welche zur aktuellen Umlaufsekunde ein Rahmensignal "Phase vorziehen" aufweisen oder ab VS-PLUS Version 3.01 im "Anforderungsbereich" liegen.

Ein Vorziehen für diese Verkehrsströme ist dann erlaubt, wenn der betreffende Verkehrsstrom mit mindestens tg,min2 unter Einhaltung der erforderlichen Übergangsdauer (Zwischenzeiten und Versatzzeiten) vor der erwarteten Ankunftssekunde gebracht werden kann.

Die verkehrsstromabhängige Übergangsdauer zwischen den Verkehrsströmen wird selbstlernend unter Beachtung der Zwischenzeiten und Versätze gebildet. VS-PLUS führt somit eine Übergangsmatrix, welche die grösste aufgetretene Übergangsdauer zwischen den einzelnen Verkehrsströmen enthält.

Achtung:

Vorziehende Verkehrsströme brechen die feindlichen immer nach tgmin 2 ab!

Test "Blockierung"

Der Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Phase blockieren" wird in Abhängigkeit der Funktion des Meldepunktes sowie des Parameters Vorbereitungsdauer vergeben. Damit wird ein Einschalten von den zum ÖV feindlichen Verkehrsströmen verhindert.

Ein Meldepunkt der Funktion "VWxx" setzt den Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Phase blockieren", wenn der ÖV schon so nahe an der Haltelinie ist, dass keine Phasen mehr vorgezogen werden können.

Ein Detektor oder Meldepunkt der Funktion "VBxx" kann nur den Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Phase blockieren" setzen.

Test "Hauptanforderung"

Der Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Hauptanforderung" wird in Abhängigkeit der Funktion des Meldepunktes sowie des Parameters Vorbereitungsdauer vergeben. Damit wird ein Einschalten der ÖV Phase aktiviert.

Detektoren der Funktion "ANxx" lösen nach Ablauf der Verzögerungszeit eine Hauptanforderung aus. Sie vergeben somit den Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Hauptanforderung".

VS-PLUS errechnet ab Hauptanforderung die erwartete Ankunftssekunde und lässt die laufenden Verkehrsströme solange stehen, bis der Wechsel zum ÖPNV zeitgerecht (Zwischenzeiten reichen gerade bis zur erwarteten Ankunftssekunde) eingeleitet werden muss.

Test "Phasenwechsel"

Erreicht ein Verkehrsstrom den Verkehrsstromstatus "Verkehrsstrom im Bereich Hauptanforderung" und wird der Verkehrsstrom auch durch die Bildzusammenstellung berücksichtigt, so wird sekündlich geprüft, ob der Phasenwechsel zum ÖPNV eingeleitet werden muss. Das heisst, VS-PLUS berechnet aufgrund der anstehenden Phase die Übergangsdauer zum ÖPNV verkehrsstromweise und leitet den Phasenübergang so ein, dass ein ÖPNV gemäss erwarteter Ankunftssekunde Grün erhält.

Die verkehrsstromabhängige Übergangsdauer zwischen den Verkehrsströmen wird selbstlernend unter Beachtung der Zwischenzeiten und Versätze gebildet. VS-PLUS führt somit eine Übergangsmatrix, welche die grösste aufgetretene Übergangsdauer zwischen den einzelnen Verkehrsströmen enthält.

Mit diesem Test soll erreicht werden, dass ein Phasenwechsel zu einem ÖPNV nicht zu früh erfolgt und die ÖPNV "sekundengenau" angesteuert werden kann.

ÖV-Priorisierungs-Modul

Das ÖPNV Priorisierungs-Modul entscheidet, was mit angeforderten ÖPNV zu geschehen hat. Es stellen sich die folgenden Fragen:

  • Wie ist das angeforderte ÖPNV zu priorisieren?
    (Test "Priorisierung")
  • Welche ÖPNV sind bei gleichzeitiger feindlicher ÖPNV Anforderung zu berücksichtigen?
    (Test "feindliche Anforderungen")
  • Ist ein ÖPNV bei gleichzeitiger freundlicher ÖPNV Anforderung sofort zu priorisieren?
    (Test "freundliche Anforderungen")
  • Wie ist ein Folgezug zu behandeln?
    (Test "Folgezug")

Das Ergebnis der ÖPNV Priorisierungs-Module ist zum einen eine Kennung, die besagt in welcher Prioritätsklasse ein ÖPNV zu berücksichtigen ist und zum anderen eine Rangliste aller angeforderten ÖPNV. Nach dieser Rangordnung werden die ÖPNV berücksichtigt.

Wesentlich ist, dass nach dieser Bewertung nur freundliche ÖPNV Verkehrsströme und nicht konkurrierende priorisiert werden können.

Test "Priorisierung"

Zum einen kann erwünscht sein, dass ein verfrühter ÖPNV nicht priorisiert wird. Zum anderen kann es sein, dass ein ÖPNV, welcher eine zu grosse Verspätung aufweist, auch nicht mehr zu priorisieren ist. Deshalb wird in einem ersten Schritt unabhängig von feindlichen Anforderung geprüft, in welcher Art eine Priorisierung gefordert ist. Diese Entscheidung soll durch das Kriterium der Fahrplanlage gefällt werden:

Ein ÖPNV Verkehrsstrom kann im Gegensatz zu den anderen Verkehrsstromtypen in mehreren Prioritätsklassen in der Hauptreihe definiert werden. VS-PLUS prüft im Rahmen der Funktion "Tests Priorisierung" anhand der Fahrplanlage und der festgelegten Grenzen in welcher Prioritätsklasse der ÖPNV Verkehrsstrom zu behandeln ist.

Test "feindliche Anforderung"

Bei Anforderung von mehreren ÖV-Verkehrsströmen muss bei Feindlichkeit dieser Verkehrsströme untereinander entschieden werden, in welcher Reihenfolge die ÖPNV zu priorisieren sind. Dabei müssen neu angeforderte ÖPNV in eine Warteschlange gebracht werden. Mit dem ÖV-Priorisierungs-Modul stellt VS-PLUS die Möglichkeit eine Warteschlange aufgrund verschiedener Kriterien zu erzeugen.

Folgende Entscheidungskriterien stehen zur Verfügung:

  • Halten einer Phase (PhH)
  • Ankunft im Rahmensignal (ARs)
  • Prioritätsklasse (PK)
  • Beeinflussungszone (BeZ)
  • Prioritätsliste ÖPNV (PLi)
  • VÖV Priorität (VOV)
  • Fahrplanlage (FLa)
  • erwartete Ankunftssekunde (eAn)

Bei der Erstanforderung eines ÖV-Verkehrsstroms wird geprüft, an welcher Stelle der neu angeforderte ÖV-Verkehrsstrom in die Warteschlange einzureihen ist. Die Entscheidung erfolgt in mehreren Stufen in einer frei bestimmbaren Reihenfolge. Anhand des ersten Kriteriums wird geprüft, an welcher Stelle das neu angeforderte ÖPNV einzureihen ist. Besteht Gleichwertigkeit mit einem bereits angemeldeten ÖV-Verkehrsstrom, so wird anhand des zweiten Kriteriums geprüft, dann nach dem dritten Kriterium und so weiter. Es wird solange geprüft, bis eine Eindeutigkeit entsteht. Wesentlich dabei ist, dass einmal eingereihte ÖV-Verkehrsströmen nicht mehr umsortiert werden.

Wichtig:

Das Warteschlangenprinzip ohne Umsortierung von bestehenden Einträgen dämpft die Gefahr einer Instabilität bei der Beeinflussung (eingeleitete Beeinflussungen werden zugunsten einer neuen abgebrochen).

Achtung:

Um in jedem Fall eine Eindeutigkeit in der Reihenfolge zu erzielen, ist zu empfehlen, das Kriterium Prioritätsliste ÖPNV immer in die Kriterienfolge einzutragen. Ohne Eintrag gilt die Kriterienfolge: PhH, eAn

Test "freundliche Anforderung"

In gewissen Fällen soll ein ÖV-Verkehrsstrom etwas zurückgehalten werden, damit zum Beispiel ein in eine Haltestelle einfahrender Zug dieselbe Phase benutzt, wie der aus der Haltestelle Wegfahrende. In diesem Fall würde man den aus der Haltestelle Abfahrenden in Abhängigkeit des Ein-fahrenden zurückhalten.

Mit dem Parameter Zurückhalten wird zum einen festgelegt, ob ein Verkehrsstrom zurückzuhalten ist. Zum anderen wird die maximal erlaubte Zeitdifferenz zu den "erwarteten Ankunftssekunden" der beiden ÖV-Verkehrsströme (z.B. Zug in der Haltestelle zu freundlichem Gegenzug aus der Strecke) bestimmt.

Dabei ist der massgebende Verkehrsstrom derjenige, welcher ein Zurückhalten bewirken kann (z.B. Zug aus freier Strecke). Der abhängige Verkehrsstrom ist dann derjenige, welcher zurückgehalten wird (z.B. Zug in Haltestelle).

Achtung:

Verkettungen können parametrisiert werden. Ebenso sind gegenseitige Verknüpfungen erlaubt. Die Verkehrsströme werden jedoch höchstens paarweise beeinflusst.

Test "Folgezug"

Meldet sich ein ÖPNV ab und ist bereits ein weiterer Zug erfasst (Folgezug), so ist zu entscheiden, ob der Folgezug auch noch zu berücksichtigen ist. Die Parameter minimaler und maximaler Abstand Folgezug beeinflusst diesen Entscheid.

Entspricht der zeitliche Abstand den Parametern Minimaler und Maximaler Abstand Folgezug, so prüft VS-PLUS zusätzlich, ob zur Umlaufsekunde der erwarteten Ankunft das Rahmensignal für Verlängerung noch ansteht und die maximale Grünzeit tg,max2 dann nicht überschritten wird. Nur wenn alle Bedingungen erfüllt sind, wird der Folgezug berücksichtigt.

In jedem Fall wird jedoch ein Folgezug nur dann berücksichtigt, wenn seine Verlängerungsbedingungen nicht verletzt werden (siehe Definition "Verlängerung").

Der Parameter Maximaler Abstand Folgezug ergibt eine obere Grenze. Folgezüge, die einen grösseren zeitlichen Abstand als der maximal Abstand haben, werden nicht mehr beachtet.

Achtung:

Die Grenzen minimaler Abstand und maximaler Abstand dürfen sich nicht überschneiden (maximaler Abstand grösser als minimaler Abstand).

Kontakt

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