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Soll ein Strassengebiet ausschliesslich möglichst vielen Autos Raum bieten, müssen seine Kreuzungen nicht untereinander koordiniert werden. Soll es aber möglichst rasch durchfahren werden können, dann müssen die Kreuzungen zu Grünen Wellen verbunden werden. Natürlich gelänge es uns, eine Reihe nahe beisammen liegender Kreuzungen zu koppeln, auch wenn jede Kreuzung für sich geregelt würde. Vorausgesetzt natürlich, sie verfügten über einen Synchronisations-Mechanismus, wie wir ihn am Beispiel des Heimplatzes gesehen haben auf ein generelles Einführen von Brems- und Anfahr-Strafen der Teilnehmer für den Algorithmus wollen wir auch hier verzichten. Aber warum soll man nicht die ständige Rahmen-Vorgabe einer Grünen Welle dazu benutzen, die Komplexität einer reinen Regelung mit unabhängigen, jedoch gekoppelten Algorithmen einzuschränken und eine Regelung mit nur einem Algorithmus von niedrigerer Komplexität suchen?
Im wesentlichen gehen drei Parameter in eine Suche nach den optimalen Phasenlagen einer Grünen Welle ein [Zackor et al., 1991]:
Es gibt eine Reihe von Arbeiten, die sich mit dem Auffinden eines optimalen Phasenplans für ein Gebiet mit koordinierten Kreuzungen auseinandersetzen, wie in der Einleitung vorgestellt. Es entstehen dadurch sogenannte "Stadtfahrpläne", mit denen ziemlich genau die Reisezeiten zwischen zwei Punkten des Strassennetzes geschätzt werden kann. Meist ist ein Programm zur Planung der Phasen das Resultat.
Grüne Wellen haben grosse Bedeutung in Gebieten von Kreuzungen mit fixen Umlaufzeiten der Signal-Bilder. Wenn öffentlicher Verkehr mit Vortritt solche Achsen kreuzen soll, ist aber auch hier dynamische Regelung nötig.
Befindet sich ein Teilnehmer auf der Achse einer Grünen Welle in ungestörter Fahrt, so kann er jede Kreuzung, welcher er sich nähert, ungehindert bei Grün passieren. Dies hat zur Folge, dass kein Zeitverlust durch Bremsen und Anfahren der Fahrzeuge entsteht und das System somit besser ausgelastet werden kann. Man bemerkt jedoch, dass Grüne Wellen die Kapazität eines Strassenabschnittes herabsetzen, denn das Band (der zeitliche und räumliche Bereich, in welchem sich die Fahrzeuge einer Welle befinden) neigt dazu, sich zu dehnen, je länger die Fahrzeuge ungehindert fahren können42. Es sollte darum zwischen Verminderung der Auslastung durch das Strecken der Kolonne und Gewinn an Auslastung durch Vermeidung von Halten das beste Verhältnis gefunden werden; daraus folgt eine optimale Distanz, während welcher eine Grüne Welle sinnvoll ist. Am Ende dieser Distanz muss die Kolonne halten und wieder zusammenrücken. Für die weiteren Betrachtungen wollen wir den Streckungs-Effekt aber vernachlässigen.
Fahrzeuge, welche die Achse verlassen wollen, müssen bei der Ausfahrt Wartezeiten in Kauf nehmen. Fahrzeuge, welche von aussen kommend die Achse mitbenutzen wollen, müssen bei der Einfahrt und mindestens an der für sie ersten Ampel der Achse auch Wartezeiten in Kauf nehmen. So soll sich eine Grüne Welle verhalten.
Nehmen wir an, wir möchten ein Gebiet mit fixem Umlaufzyklus steuern, so dass auf gewissen Achsen Grüne Wellen entstehen.
Die Berechnung der Grünen Welle basiert auf statistischen Angaben. So können je nach Verkehrsaufkommen verschiedene Signalprogramme notwendig sein, welche auch die Achsen der Grünen Welle anders legen können.
Beliebig frei in der Wahl der Achsen für die Grünen Wellen ist man aber nicht. Zur Veranschaulichung dieses Verhaltens diene ein kleines Beispiel: es wird eine Hauptverkehrsstrasse angenommen, die in beiden Richtungen befahren werden kann. Sie werde von zwei anderen Strassen gekreuzt, und die Kreuzungen seien in einem Abstand zueinander, der die beiden nicht zu einer eng gekoppelten Kreuzung verschmelzen lässt, wie dies beim Heimplatz der Fall war. Der Hauptverkehrsstrasse sollen Grüne Wellen in beiden Richtungen zugedacht werden.

Abbildung 74: die Darstellung einer Grünen Welle in einer Fahrtrichtung
Nur in einer Richtung ist eine Grüne Welle jederzeit möglich. Abbildung 74 zeigt in einem Diagramm, wie sich das Band der Grünen Wellen örtlich verschiebt und wann die entsprechenden Kreuzungen der bevorzugten Strasse Grün geben müssen. Auch in beide Richtungen können Grüne Wellen gleichzeitig laufen, aber aus dieser Vorgabe folgt eine Zykluszeit. Nur ganzzahlige Bruchteile dieser Zykluszeit sind als Umlaufzeit für beide Kreuzungen wählbar. Abbildung 75 zeigt links die Steuerung einer Grünen Welle mit der Zykluszeit als Umlaufzeit und rechts mit der halben Zykluszeit. Wohl kann die Umlaufzeit auch länger als die Zykluszeit gewählt werden, jedoch nur unter Preisgabe der gleichzeitigen Grünphase in die Gegenrichtung bei einer der Kreuzungen.

Abbildung 75: Grüne Wellen in beide Fahrtrichtungen mit zwei Kreuzungen
Kommt nun noch eine dritte Kreuzung über die Hauptverkehrsstrasse dazu, so ist eine Grüne Welle nur noch dann möglich, wenn

Abbildung 76: Grüne Wellen in beide Fahrtrichtungen mit mehr als zwei Kreuzungen
Grüne Wellen einzelner Abschnitte schliessen sich leider meist gegenseitig aus. Trotzdem aber können Grüne Wellen gelegt werden, wenn man zu Kompromissen bereit ist:
Ändert sich nichts an der Topologie der Achsen, sondern nur an den Flüssen, so kann die Achse im gegebenen Rahmen geregelt werden als ganzes gesehen, wie eine einzelne Kreuzung. Lässt die erste Kreuzung den Verkehr in die Achse fliessen, so ist das Verhalten der folgenden Kreuzungen gegeben. Es obliegt dem Regler, für die erste Kreuzung die Lage der Grünphasen optimal festzulegen und die nachfolgenden Kreuzungen dem Verkehrsaufkommen gemäss zu koordinieren.
Zweierlei Problemen wollen wir uns hier widmen:
Es ergeben sich daraus besondere zusätzliche Bedingungen für den Regelalgorithmus. Verdünnung des Flusses Die Tatsache, dass Verkehr an verschiedenen Stellen in die Achse und aus der Achse
fliesst, hat drei Konsequenzen:
Länge und Lage von Grünphasen müssen dem örtlichen Verkehrsaufkommen angepasst
werden, um jede Kreuzung bestmöglich auszulasten. Dabei ist die Länge der Grünphase auf
der Achse der Grünen Welle bestimmend. Sie kann bei schlechter Nutzung verkürzt werden.
Folgende Regeln sind für das Verkürzen von Grünphasen zu beachten:
1. Das Anhalten der letzten Fahrzeuge einer Welle lohnt sich nur dann, wenn
dadurch mehr Zeit gewonnen werden kann, als durch die Verlängerung der nächsten
Grünphase wegen des verzögernden Anfahrens der abgebremsten Fahrzeuge entsteht, wenn
also gilt: s · n · d = n · a (48) mit den Grössen: n Anzahl abgetrennter und angehaltener Autos d Durchfahrzeit eines Autos a Anfahrzeit eines Autos s Streckung der Durchfahrzeit durch Fluss-Verdünnung: Das Anhalten der hinteren Fahrzeuge lohnt sich also nur, wenn für die
Fluss-Verdünnung s = a/d gilt, das heisst, wenn viele Autos die
Achse verlassen. 2. Das Verzögern der ersten Fahrzeuge einer Welle ist nur dann in Betracht zu
ziehen, wenn die Verzögerung der Fahrzeuge, welche auf der Achse bleiben, und
damit ihre längere Durchfahrzeit über die Kreuzung nicht grösser als die Zeit
ist, welche durch die verkürzte Phase gewonnen wird, also: s · n · d = n · b (49) mit b als Zeitverlust durch Bremsen der vorderen Teilnehmer. Das Verzögern der vorderen Fahrzeuge bringt nur dann Nutzen, wenn für die
Fluss-Verdünnung s = b/d gilt, das heisst, wenn wenige Autos die
Achse verlassen. Abriss des Flusses Reisst der Fluss auf einer Zufahrt ab (was durch ein Hindernis auf der Strasse
hervorgerufen werden kann), so können die Längen der Phasen angepasst werden, wenn der
Abriss früh genug über Detektoren erkannt werden kann. Der Takt der Grünen Welle gibt die Zeiten vor, während denen eine Spur grün sein muss,
sofern Fahrzeuge vorhanden sind. Ansonsten kann ein lokaler Regler die Spuren beliebig
schalten. Eine solche Art der Koordination haben wir, mit kleinen Unterschieden, bereits
im Zusammenspiel zweier eng gekoppelter Kreuzungen kennengelernt. Vortritt für den öffentlichen Verkehr Kreuzt öffentlicher Verkehr eine Grüne Welle, so ist der Zeitpunkt meist nicht
genügend lange vorhersehbar, als dass bereits am Anfang der Grünen Welle der Zyklus
angepasst werden könnte. Das Kreuzen entspricht also einer unvorhersehbaren Störung. In einer Grünen Welle will man vermeiden, dass sich Staus zwischen den Ampeln bilden.
Fordert aber ein Tram die Kreuzung B für sich, entsteht unweigerlich ein Stau für die
kreuzenden Autos. Da durch Anhalten und Anfahren der Autos Zeit verloren geht, sollen
möglichst wenige Autos zum Anhalten gezwungen werden, und möglichst nur ein Mal. Ist das Verhältnis Grün- zu Rotzeit einer Grünen Welle klein (so dass Staus
sich nicht über mehrere Bänder fortpflanzen können, siehe Abbildung 77, und es sei nur
eine Fahrtrichtung betrachtet), muss die unterbrochene Phase der Kreuzung B nach dem
Passieren des Trams (a) wieder aufgenommen werden, bis alle nun angestauten Autos
durchgefahren sind. Um die nachfolgenden Kreuzungen immer noch gut auszulasten, muss das
Grün der nächsten Ampel verzögert werden (b). Die vorhergehenden Kreuzungen müssen die
eingeschobene Rotphase ebenfalls befolgen, wenn nicht genügend Stauraum vor der nächsten
Kreuzung vorhanden ist (c), sonst nicht (d). Abbildung 77: Verschiebung eines einzelnen Grünbandes Liegen die Grünbänder zeitlich dicht beieinander (das Verhältnis Grün- zu Rotzeit
ist gross, siehe Abbildung 78), so kann sich die Störung über mehrere Bänder
fortpflanzen, bis der Zustrom neuer Autos hat dosiert werden können (e). Auch der Ausfall
einer Querphase kann zum Regulieren verwendet werden (f). Die Koordination der Querphasen der beiden Grünen Wellen kann mit beschränkter
Freiheit dadurch geschehen, wann die Querphasen der beiden gestörten Grünen Wellen
eingefügt, gelängt oder gekürzt werden. Abbildung 78: Verschiebung zweier Grünbänder Verändertes Verkehrsaufkommen ändert einerseits global die Breite der
Grün-Bänder, andererseits lokal die Grün- und Rotzeitpunkte, je nach
augenblicklichem Zu- oder Abfluss (der von den Detektoren gemessen wird), jedoch im Rahmen
der Bänder der Grünen Welle. Kreuzender öffentlicher Verkehr kann Phasen zusammenlegen
oder ausfallen lassen.
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